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Kreatives Momentum entsteht wenn Mauern einbrechen

April 19, 2016

Innovationspraktiken helfen Unternehmen innovativ und am Zahn der Zeit zu bleiben. Darum versuchen Unternehmen mit Kreativ-Workshops zur Innovation von Geschäftsmodellen, Produkten oder Prozessen ihren Wettbewerbsvorteil zu erhalten oder auszubauen. Doch bevor sich die volle Innovationskraft eines Unternehmens entfalten kann, muss der Workshop-Moderator oft erst Emotionen und Überzeugungen durchbrechen sowie neue Sicherheiten schaffen.

 

Als Organisator und Moderator von Innovationsworkshops habe ich mit der Zeit ein gewisses Portfolio an Inhalten, Storylines und Methoden entwickelt.

Die Inhalte sollen den Teilnehmern aus unterschiedlichsten Industrien, mit diversen Hintergründen und Berufserfahrungen helfen, innovativer, kreativer und auch flexibler in ihrem Denken zu werden. Denn gerade im Bereich Innovationsmanagement merkt man immer wieder, dass zwar ein Druck zu mehr Innovation – Produkt, System oder Prozessinnovation – besteht, die Empfänger dieses Drucks aber nicht damit umzugehen wissen. Nicht selten habe diese Personen schon über Jahre erfolgreich in einer leitenden Position gearbeitet, sich ihren Stand im Unternehmen geschaffen und definieren darüber ihre Aktionen und ihr Handeln. Das verschafft ihnen Legitimation und gibt Sicherheit. Doch gerade in Zeiten der zunehmenden Digitalisierung, in der etablierte Industrien zum Umdenken und Arbeiten mit neuen Medien gezwungen sind und jüngeren Unternehmen immer am Zahn der Zeit bleiben müssen, um ihren Wettbewerbsvorteil weiter auszubauen, steigt der Innovationsdruck. Unternehmen können es sich einfach nicht mehr erlauben, sich nur auf ihrem bestehenden USP auszuruhen. Ansonsten kann ihr Produkt schon bald von einem anderen Anbieter ersetzt bzw. obsolet gemacht werden. Folglich entsteht der Druck zu innovativem Handeln für das Unternehmen von außen wie auch von innen.

 

Umdenken ist nicht immer einfach.

 

Workshops zu kreativen Innovationsmethoden können den entsprechenden Zielgruppen helfen, innovatives Handeln in den Alltag zu integrieren. Aber das ist nicht immer einfach. Hat man erst einmal ein paar Jahre in einer Industrie gearbeitet, ist man auch überzeugt von den Spielregeln dieser Industrie. Bestimmte Handelsmuster bspw. in Bezug auf Geschäftsmodelle werden zu einer akzeptierten Regel und eher wieder aufgenommen als innovativ durchbrochen. Auch die Legitimation und Sicherheit, die man aus dem gewohnten Handeln zieht, ist nicht mehr leicht zu ändern. Das gilt meist für sämtliche Unternehmensebenen vom Geschäftsführer zum Projektleiter bis hin zum Produktmanager. So haben sich auch in Teams Einverständnisse über Marktdynamiken, Produkte und Kundenbedürfnisse etabliert, die nur schwer zu ändern sind.

 

Der Innovationsdruck bleibt.

 

Doch der Innovationsdruck bleibt. Nehmen die oben genannten Akteure erst an einem Innovationsworkshops teil, reichen ordentlich ausgearbeitete Storylines oft nicht aus. Auch wenn man als Moderator versucht, mit Erfolgsgeschichten aus Innovation und Entrepreneurship gewohnte Denk-und Verhaltensmuster zu durchbrechen, kommt man doch manchmal an seine Grenzen. Obwohl den Teilnehmern bewusst ist, wie sehr Internetunternehmen wie bspw. Uber die Muster von etablierten Industrien wie der Taxiindustrie durchbrochen haben ohne je nein einziges Taxi zu besitzen, tendieren sie doch dazu, ihr eigenes Unternehmen, ihre Industrie und ihr Handeln in Schutz zu nehmen. Mehr noch, wenn man mit etablierten Innovationsmethoden wie dem Arbeiten mit Analogien, Bildern oder Storylining versucht, diese Verhaltensmuster aufzubrechen, kommt es oft zu spannenden Dynamiken. Nehmen ganze Teams teil, enden Diskussionen nicht selten in der altbekannten Industrielogik, die einmal mehr diskutiert wird. Gleiche Analogien bspw. erfolgreiche Geschäftsmodelle aus verwandten Industrien werden herangezogen, um etablierte Überzeugungen zu bestärken; entferntere Analogien, die zur Inspiration für ein Umdenken erörtert werden könnten, werden eher ignoriert oder anhand von Negativbeispielen diskutiert. Gleichzeitig merkt man als Moderator aber auch immer wieder, wie viel Frust bestimmte Teams schon in sich tragen. Nicht selten kommt auch diese Unzufriedenheit zu Tage: So kann es in einem Workshop auch einmal zum Aufkochen angestauter Wut und Frustration kommen.

 

Oft entladen sich gerade im Workshop aufgestaute Wut und Frustration.

 

Erstaunlicherweise führt aber manchmal eben diese emotionale Entladung zu neuer Offenheit. Ist der Frust erst aus dem Kopf, scheint Raum für neues Denken zu entstehen. Hier merkt man als Moderator wie anstrengend es sein kann, Inhalte und Methoden zu erklären und gleichzeitig Diskussionen zu moderieren, um die Gruppe immer wieder zu ihrem eigentlichen Ziel von mehr Innovation zurückführen. Gleichzeitig macht das aber die Faszination des Jobs aus. Denn gerade die Position als Außenstehender erlaubt es, Umstände zu reflektieren, Probleme aus einer Metaperspektive zusammenzufassen und die Workshop-Teilnehmer zum ursprünglichen Ziel des gemeinsamen Erlernens von Innovationsmethoden zurück zu bringen.

Durch das Durchbrechen von Emotionen entsteht ein neues kreatives Momentum.

Hat man als Moderator die Mauern der Überzeugung von Industrien und Handlungspraktiken durchbrochen und die emotionale Entladung ermöglicht, merkt man oft, mit welch neuer Offenheit die Workshop-Teilnehmer sich auf die Inhalte und Methoden einlassen können. Und genau das ist der Punkt, an welchem kreative Energien entstehen, die zu innovativen Ideen führen.

 

Man sollte darum als Moderator keine Angst davor haben, Emotionen im Workshop-Raum zu erlauben, sondern eher lernen, die Teilnehmer mit Ruhe und Gelassenheit durch ihre eigenen Gefühle durch zu steuern. Das erfordert Selbstvertrauen und Energie, führt aber auch zu erstaunlich innovativen Ergebnissen und zufriedenen Gesichtern am Ende anstrengender und inspirierender Tage.

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