blog lebensliebe

Berufung, Leidenschaft, Vergnügen

April 19, 2016

Vor kurzem  habe ich das Buch des Zappos Gründers Tony Hsieh "Delivering Happiness" gelesen. Neben seinen Startup- Erfolgsgeschichten mit LinkExchange und Zappos, geht Tony vor allem auf eines ein: Erfolg durch Glücksgefühl. 

 

Das Happiness-Framework

 

Ein Framework auf das er sich bezieht, ist das im Bild dargestellte Dreieck. Aber wenn es so einfach sein soll, Glück im Job zu finden, warum sind so viele von uns unglücklich?

Warum sind so viele unglücklich im Job?

Immer wieder hört man Kollegen, Freunde und Bekannte über ihren Job schimpfen –  über den Chef, andere Kollegen, die Kunden, Investoren oder die Aufgaben. Der Chef nervt, weil er viel zu hohe Ansprüche stellt, die Kollegen haben nichts anderes zu tun als Kaffee zu trinken, den Kunden kann man es sowieso nie Recht machen und den Investoren noch viel weniger. Während man sich dann in der Zufriedenstellung diverser Anspruchsgruppen verliert, gehen die eigenen Aufgaben unter. Am Ende des Tages fragt man sich dann bei dem üblichen Glas Wein (oder waren es vielleicht doch zwei?), warum die To Do-Liste länger statt kürzer geworden ist.

Nicht selten beginnt man bei diesem Glas Wein über das Unglück des eigenen Jobs zu philosophieren, was meist ganz leicht ist, da das Gegenüber ähnliche Sorgen teilt. Gemeinsam kann man auch viel schöner über die Ungerechtigkeit des beruflichen Alltags lamentieren, sich in den Unfähigkeiten der Kollegen suhlen und sich gegenseitig die traurige Seele balsamieren, die doch irgendwann von viel mehr träumte. Denn einst wollte man doch die Welt verändern!

 

Träume verlieren sich in langen To-Do-Listen.

 

Derartige Gespräche leiten oft den Rückschritt ins Damals ein, als man noch dachte, es wäre alles möglich! Damals wollte man nach Afrika und in einem Kinderdorf arbeiten, oder vielleicht auch als Englischlehrer nach Südamerika. Ach ja, es gab so viele gute Taten, die man vollbringen wollte. Und jetzt bleibt dafür plötzlich gar keine Zeit mehr, da man ja noch nicht mal seine eigenen To Do-Listen abarbeiten kann.

Die Biographie von Tony Hsieh scheint dabei ähnlich weit entfernt wie die Karriere eines Mark Zuckerberg. Dabei hat Tony das Happiness-Framework doch so wunderbar banal erklärt und abgeleitet. Fast wie die Maslowsche Pyramide dreht er es einfach auf den Kopf, um seinen Weg zum Glück im Job zu erklären. Dabei fängt er oben an und erklärt, für ihn ginge es an erster Stelle darum, seinen Purpose zu leben. Er sieht seine Bestimmung darin, Glück durch Zufriedenheit von Kunden, Mitarbeitern und sämtlichen Anspruchsgruppen herzustellen. Obwohl das wohl für einige von uns vielleicht etwas hochgegriffen ist, scheint es doch valide, uns die Frage zu stellen: „Was ist eigentlich meine Berufung? Was erfüllt mich mit Freude und gibt mir anhaltende Energie, wenn ich es tue?“ Denn genau diese Energie entsteht, nach Aussage der Happiness-Forschung, wenn wir unserer wahren Berufung folgen.

 

Was bedeutet eigentlich Berufung?

 

Dann erst geht Tony eine Stufe tiefer und konzentriert sich auf die Passion: Leidenschaft ist in diesem Framework durch das Agieren im Flow-State ausgedrückt. Schon Ernest Hemingway beschrieb diesen Zustand anhand seines Schreibprozesses. Für ihn war Flow das Arbeiten in einer unbewussten, höheren Ebene, in der er manchmal schon gar nicht mehr wusste, was er eigentlich schrieb. Letztlich machte alles stets Sinn. Allerdings ist Flow – so Hemingway – endlich. Darum sollte man den Flow beenden, bevor man den letzten Tropfen Energie abgeschöpft hat, um am nächsten Tag schnell in einen ähnlichen Fluss zu kommen.

Auf der untersten Ebene steht für Tony Pleasure ­– also kurzfristige, endliche Höhepunkte im Tun. Man kann diese kurzfristigen Höhepunkte (und das ist meine Auslegung) fast mit sexuellen Orgasmen bei One Night-Stands vergleichen. Sie sind zwar momentan befriedigend und lösen Adrenalin sowie Oxytocin aus, aber langfristig machen sie nur mit einem richtigen Partner, mit dem man zusätzlich Passion und Purpose teilt, wirklich zufrieden. Aufs Arbeitsleben übertragen, kann man Pleasure in dem Job sehen, den man hilfreich für seine Lernerfahrung erachtet. Langfristig befriedigt dieser Job jedoch nicht, da er uns nicht ausreichend und wahrhaft erfüllend ist.

 

Kurzfristiges Pleasure im Job ist wie ein One-Night-Stand.

 

Statt uns also stets wieder bei Wein über das Unglück und die Schwierigkeiten des aktuellen Jobs zu ergießen, sollten wir uns einfach mal fragen:

„Was macht mich kurzfristig glücklich und bringt mir kleine Höhepunkte?“

„Was erfüllt mich mit so viel Leidenschaft, dass ich dabei komplett Raum und Zeit vergesse?“

„Was lässt meine Augen strahlen, was könnte ich mir vorstellen bis ans Ende meines Lebens voller Erfüllung zu tun, ohne dass es mich ermüden lässt, mir meine Energie raubt und mich ans Ende meiner eigenen Inspirationsgrenze bringt?“

 

Was bringt meine Augen zum Leuchten?

 

Sicher ist Tony Hsieh ein sehr hoch gegriffenes Beispiel. Es ist auch nicht jedermanns Ziel, eine Multi-Billion-Dollar-Company wie Zappos aufzuziehen. Doch hinter dem Business steht für Tony eigentlich schlicht seine persönliche Bestimmung von ‚Delivering Happiness’. Ich bin mir sicher, dass wir alle ein tiefes, inneres Gefühl von unserer eigenen Bestimmung haben und vielleicht kann uns ja die Anwendung des umgedrehten Dreiecks helfen, weniger regelmäßig Wein zu trinken und stattdessen bei besonderen Gelegenheiten mit Champagner auf unsere Berufung anzustoßen!

 

Quelle: Delivering Happiness, Tony Hsieh

 

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